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Geologisch-tektonischer und historischer Kontext des Erdbebens in Haiti vom 12.01.2010
Töbelmann, Matthias
| pdf-Format:
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| Zugriffsbeschränkung: |
| nur innerhalb des Universitäts-Campus |
| SWD-Schlagwörter: |
| Erdbeben , Haiti |
| DDC-Sachgruppe: |
| Geowissenschaften |
| Dokumentart: |
| Monographie |
| ISBN: |
| 978-3-8428-2337-2 |
| Sprache: |
| Deutsch |
| Erstellungsjahr: |
| 2012 |
| Publikationsdatum: |
| 20.05.2015 |
| Kurzfassung auf Deutsch: |
| Einleitung: Im Dezember 1492 entdeckte Christopher Kolumbus eine Insel in der Karibik, die heute Hispaniola genannt wird. In der Hoffnung auf die Entdeckung einer neuen Welt mit reichen Goldvorkommen und ertragsreichen Landschaften besiedelten die Spanier die Insel, die ihren Namen den früheren Kolonialherren verdankt. Die Perle der Antillen wie Haiti im 18. Jahrhundert unter der französischen Kolonialherrschaft genannt wurde, war eine der reichsten Kolonien. Doch dieser Reichtum hat sich mittlerweile in Armut umgekehrt. Die alljährlichen Hurrikans, die über die Insel hinwegfegen haben das Land schwer mitgenommen. Durch die Rodung von 98 Prozent des Waldes auf Haiti zur Holzkohle-Produktion hat der Boden der Erosion nichts mehr entgegenzusetzen. Die Folge sind weniger landwirtschaftlich nutzbare Flächen, weniger Lebensmittel und dadurch höhere Preise und noch größere Armut. Doch als würden die Wirbelstürme als Katastrophe nicht ausreichen, ist Haiti am 12. Januar 2010 von einem schweren Erdbeben heimgesucht worden. Mit mehr als 200.000 Toten, 300.000 Verletzten und über einer Million Menschen, die jetzt obdachlos sind, liegt Haiti in Trümmern. Auch große und vermeintlich stabile Gebäude in der Hauptstadt Port-au-Prince, wie zum Beispiel der Präsidentenpalast, das Hauptquartier der Vereinten Nationen und die Kathedrale wurden zerstört. Wirtschaftlich instabile Länder werden durch solche Katastrophen zumeist viel schwerer getroffen als wirtschaftlich stabile. Einer der Gründe ist, dass erdbebensicheres Bauen keine Rolle spielt, da die Menschen froh sind, wenn sie überhaupt Geld für eine Behausung aufbringen können. Durch einfache Maßnahmen beim Bau von Gebäuden hätten aber viele Menschenleben gerettet werden können. Verschiedene Wissenschaftler empfehlen das Mauerwerk zum Beispiel mit Bambusstöcken zu stützen oder statt Häuser aus Mauerwerk zu bauen, Fachwerk in Verbindung mit Lehm zu nutzen. Der finanzielle Aufwand für derartige Maßnahmen liegt um ein Vielfaches geringer, als der des Wiederaufbaus. Gerade für ein so armes Land wäre das die günstigere Alternative gewesen. Laut dem Human Development Report der Vereinten Nationen liegt Haiti mit einem Bruttoinlandsprodukt von 1.155 US$ pro Kopf auf Platz 158 von 181. Ohne die nötigen finanziellen Mittel geht der Wiederaufbau nur sehr schleppend voran. Positiv ist, dass mittlerweile der Internationale Währungsfonds Haiti seine Schulden in Höhe von 268 Millionen US-$ erlassen hat. Welche geologischen und tektonischen Verhältnisse herrschen in der Karibik und speziell in Haiti und wie haben sie zu diesem schweren Erdbeben geführt? Gibt es in der Geschichte von Haiti Aufzeichnungen über frühere Erdbeben? War das Risiko bekannt? Um diese Fragen zu beantworten, werden in dieser Arbeit zunächst die plattentektonischen und geologischen Verhältnisse geklärt. Dabei wird besonders auf die Lage von Haiti an der Grenze zweier Platten eingegangen. Damit das Erdbeben eingeordnet werden kann, beschäftigten sich Seismologen kurz nach dem Erdbeben mit der Bestimmung des Bebenherdes und der Stärke. Diese wichtigen Daten lassen sich anhand von bei der Erschütterung freiwerdenden Wellen bestimmen, auf die deshalb auch in dieser Arbeit eingegangen wird. Der eigentliche Vorgang in der Erdkruste, das daraus resultierende Hauptbeben und die folgenden Nachbeben sollen die Erklärung für die zerstörende Wirkung liefern. Am Ende der Arbeit, gehe ich noch auf die Erdbebengeschichte des Landes Haiti und der Insel Hispaniola ein, um einen Überblick zu geben, wie häufig Erdbeben-Ereignisse waren und sind und wie groß deren Zerstörungskraft istInhaltsverzeichnis:Inhaltsverzeichnis: AbstractI InhaltsverzeichnisII AbbildungsverzeichnisIII 1.Einleitung1 2.Plattentektonische und Geologische Verhältnisse3 2.1Lage und Geologische Verhältnisse von Hispaniola3 2.1.1Geologie in Haiti4 2.1.2Plattentektonik auf Hispaniola und in Haiti5 3.Das Erdbeben vom 12.01.20108 3.1Lage und Bestimmung des Epi- und des Hypozentrums8 3.1.1Erdbebenwellen9 3.1.2Bestimmung des Hypozentrums11 3.2Stärke des Erdbebens13 3.2.1Magnitude14 3.2.2Intensität15 3.3Herdprozess und Bruchvorgang16 4.Nachbeben20 5.Historische Beben in Haiti22 5.1Zeitreihe der Beben auf Hispaniola22 6.Ausblick24 Literaturverzeichnis27 www-Quellen31 Anhang 133 Anhang 236Textprobe:Textprobe: Kapitel 3.2, Stärke des Erdbebens: Die Stärke eines Bebens ist mit der Lage des Epizentrums eine der zentralen Aussagen bei der Einordnung und für die Medien und die Öffentlichkeit eine der wichtigsten Aussagen. Wie man die Lage des Erdbebenherds bestimmt, wurde im vorherigen Abschnitt erläutert. Wie aber gibt man die Stärke eines Bebens an? Bei den Instituten kommt es, ähnlich wie bei der Lage des Epizentrums, zu Unterschieden. Beim GFZ hat das Beben die Stärke 7,2, beim BGR 7,1 und beim USGS 7,0. Generell gibt es zwei Möglichkeiten um ein Erdbeben einzuordnen: über die Magnitude und über die Intensität. 3.2.1, Magnitude: Für die Bestimmung der Erdbebenstärke bedienen sich die Institute verschiedener Magnituden-Skalen für verschiedene Erdbebenszenarien. Die Magnitude ist ein Maß für die freiwerdende Energie bei einem Beben. Die weitverbreitete Richter-Magnituden-Skala war die erste, die verwendet wurde, um Beben nach ihrer Stärke einzuordnen. Der amerikanische Wissenschaftler Charles Richter hat diese 1935 am California Institute for Technology eingeführt. Anfänglich diente sie nur zur Einstufung von Beben in Südkalifornien. Die logarithmische Richter-Skala gibt die Stärke des Bebens als Magnitude an, die über die maximale Amplitude und die Entfernung zum Epizentrum ermittelt wird. Verwendet wird hierfür ein spezieller Typ Seismograph. Dieser sogenannte Wood-Anderson-Seismograph hat nur eine limitierte Aufzeichnungskapazität außerdem hat Richter sich nicht auf einen bestimmten Wellentyp festgelegt. Daher wird die Richter-Skala in der Forschung in aller Regel nicht mehr verwendet. Das USGS hat für das Beben eine Stärke von Mw=7,0 angegeben. Mw steht für die Momentmagnitude. Der Vorzug dieser Skala liegt darin, dass zur Berechnung alle Wellenarten verwendet werden und der Wert sich mit den Seismogrammen aller neueren Seismographen berechnen lässt. Das Geoforschungszentrum Potsdam gibt die Magnitude mit 7,2 an und verwendet nach eigener Auskunft eine Skala, die in der Berechnung der Moment-Magnitude sehr nahe kommt und sich im Mittel wie Mw verhält. Im Bulletin der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe zum Erdbeben von Haiti wird die Stärke des Bebens mit 7,1 angegeben. Die BGR verwendet die Oberflächenwellenmagnitude Ms. Die unterschiedlichen verwendeten Magnituden sind ein Grund für die Unterschiede bei den Angaben der verschiedenen Institute. Ein weiterer Grund ist, dass die Erde nicht völlig gleichförmig aufgebaut ist. Das heißt, dass sich die Amplitude der Wellen auf dem Weg zu den unterschiedlichen Stationen unterschiedlich abschwächt. Daher kann die Abweichung zum Teil bei +/- 0,5 Magnitudeneinheiten liegen. 3.2.2, Intensität: Die Effekte eines Erdbebens werden mit Hilfe der Mercalli-Intensitätsskala angegeben. Diese ist ein Maß für die sicht- und fühlbare Zerstörung, die ein Beben auslöst. Guiseppe Mercalli hat diese Skala erstmals 1902 zu Papier gebracht. Mittlerweile wurde sie mehrmals überarbeitet und heißt nun Europäische Makroseismische Skala (EMS-98). Die Auswirkungen eines Erdbebens werden in 12 Stufen eingeteilt: Stufe I wird mit nicht wahrnehmbar bezeichnet, Stufe XII dagegen gibt völlig verwüstend an. Port-au-Prince wurde von dem Erdbeben am 12. Januar 2010 laut Mercalli-Skala mit Stufe X getroffen. Die Bezeichnung nach EMS-98 ist demnach sehr zerstörend und viele gut gebaute Häuser werden zerstört oder erleiden schwere Beschädigungen. Im Folgenden ist ein Kartenausschnitt von Google Earth dargestellt. Darin ist ein Layer aktiviert, der die shake-intensity angibt. Die Skala reicht hier von I (nicht gespürt) bis X+ (extrem). Auf der gesamten Länge der Bruchfläche von Port-au-Prince bis Petit-Goâve wird Stärke IX bis X+ erreicht. Aufgrund fehlender Messstationen wurde die Intensität ausschließlich über die Magnitude und empirische Modelle zur Bodenbewegung erstellt. Dennoch stimmen die ermittelten Intensitäten sehr gut mit den beobachteten Zerstörungen überein. |